Gefahrenhinweise/Sicherheitsratschläge

Aufgenommen in Bad Camberg im Herbst ‘02 auf einer ganz normalen Wiese am Bach


Pharmakologische Eigenschaften von Colchicin, dem Hauptinhaltsstoff der Herbstzeitlosen

Eine Vergiftung führt beim Menschen u. a. zur Beeinträchtigung der
 Leukozytenbeweglichkeit und der Phagozytose, zur Schädigung von Nervenzellen,
 zu Störungen der sensiblen Nervenfunktion (zunächst Erregung, später Lähmung) und zur
 Lähmung des Vasomotorenzentrums. Die beobachteten Symptome reichen von
 Durstgefühl, Übelkeit, heftigem Erbrechen, Schluckbeschwerden über massive Magen-
 Darm-Beschwerden mit Koliken (hämorrhagische Enteritis) und blutige, schleimige
 (choleraähnliche) Durchfälle bis hin zu Blutdrucksenkung, Tachykardie, Temperaturabfall,
 Atemstillstand und Herzversagen (aufsteigende Lähmung der glatten und quergestreiften
 Muskulatur). Die Vergiftung tritt mit einer Latenzzeit von 2 bis 6 Stunden auf und ist
 sehr tückisch, da es sogar nach einer (sehr langsamen) Erholungsperiode zum erneuten
 Auftreten der schweren gastrointestinalen Symptomatik kommen kann.

Colchicin wird in der Medizin als wirksames Medikament zur Therapie bzw.
 Vorbeugung des akuten Gichtanfalls
eingesetzt; es wirkt hierbei
 entzündungshemmend und schmerzstillend.

 

Gefahrenhinweise/Sicherheitsratschläge

T+

Sehr giftig.

R 26/28

Sehr giftig beim Einatmen und Verschlucken

R 40

Irreversibler Schaden möglich

(S 1/2)

Unter Verschluß und für Kinder unzugänglich aufbewahren

S 13

Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten

S 45

Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt zuziehen (wenn möglich dieses Etikett vorzeigen)





      Dr. Bettina Wenzel-Scheidel
      Schöntalweg 9
      63849 Leidersbach

      E-Mail: dr.bettina.wenzel@web.de

 

ACHTUNG, HERBSTZEITLOSE

Das lila Liliengewächs (lat. Colchicum autumnale) gedeiht vor
allem auf Naturschutzflächen und extensiviertem Grünland im
Westen und Süden Deutschlands. Es ist laut Dr. Gottfried Briemle
von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf, Baden-
Württemberg das giftigste und gefährlichste Unkraut im extensiv
genutzten oder gepflegten Grünland”. Auch durch Trocknen ver-
pufft das Gift Colcicin nicht. “Es behält noch nach Jahren seine
Wirksamkeit im Heu”, sagt Briemle.
Eine Vergiftung kann tödlich, zumindest mit Kolik oder Rehe
enden. Weil Symptome erst nach Stunden oder Tagen auftre-
ten und die Ursache häufig nur schwer erkennbar ist, kann der
Tierarzt nur mittels Kochsalzlösung den Flüssigkeitsverlust ein-
dämmen, der die Funktion der Organe einschränkt, und mit Aktiv-
kohle das Gift im Darm binden.
Wie wird man Herbstzeitlose los? “Das sicherste Mittel zur Be-
kämpfung ist das Ausstechen oder Ausziehen der Einzelpflanzen
Anfang Mai”, rät Briemle. Auch frühes Mähen mit anschließender

Stickstoffdüngung (“am wirk-
samsten ist Jauche oder Gülle”)
macht der Pflanze den Garaus.
“Bei Massenvorkommen sollte
man zwei bis drei Jahre hinter-
einander jeweils im Mai
 mähen”, so Briemle.

Hübsch giftig: Die lila Herbstzeitlose bleibt selbst im Heu noch tödlich.