Bangeloo am Strand in Dänemark, Oktober 2003

  • „Ein Halbstarker, was?“
  • Fünf Monate ist es jetzt her, dass unser Hund Loo auf die Welt kam. Fünf Monate und 14 Tage, dass ich am Telefon zu unseren Züchtern sagte, wir würden auch einen Rüden nehmen. Drei Monate, dass wir entschieden, wir würden ihn auch nehmen, wenn er taub ist. Inzwischen verbrachten wir gemeinsam einen wunderschönen Urlaub in Dänemark, wo er merklich gereift ist und das habe ich jetzt davon:
  • Vor ein paar Wochen kommt er mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht zu mir und verkündet, er sei nun fast erwachsen und deshalb wisse er jetzt selber, was man als Hund machen darf und was nicht. „So? Und was darfst Du von nun an? “, frage ich vorsichtig zurück. „Wirst schon sehen“, entgegnet er und rennt davon.
  • Von da an macht er alles, was ich von einem lieben, ruhigen, netten Hund nicht erwarte. Es fängt damit an, dass er an der Leine nicht nur „nicht mehr so schön geht“, er ist kaum noch zu halten, wenn er einen anderen Hund oder sonst irgendetwas Interessantes sieht. Natürlich ist er auch ziemlich gewachsen und hat dementsprechend mehr Kraft. Auf das Vibrieren seines Halsbandes, was ich als Synonym für seinen Namen verwende, reagiert er eigentlich gar nicht mehr. Wenn er keine Lust mehr auf irgendetwas hat oder meint, es ginge nicht alles schnell genug, fängt er einfach an zu schreien. Und ich meine schreien, nicht bellen.
  • Es fängt meistens mit einem leisen Fiepen an und steigert sich dann zu einem lauten Gebrüll.
  • Das ist vor allem dann sehr peinlich, wenn es an einem Samstagmorgen in einer überfüllten Fußgängerzone passiert, weil er bei meinem Mann und Kind bleiben soll, während ich kurz in ein Geschäft gehe. Sie können mir glauben, die Blicke der Leute waren einfach... wunderbar. Ach - und habe ich von den zerfressenen Reiseunterlagen und von dem kaputten Tischbein erzählt?
  • Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen, habe ich ihm doch gerade heute gedroht, alles in der Dalmatinerpost zu erzählen, wenn er nicht sofort wieder lieb ist... er war natürlich nicht sofort wieder lieb.
  • Wir gehen weiterhin jede Woche in die Hundeschule und gerade in solchen Zeiten ist das eine große Hilfe.
  • Über alle Probleme die auftreten, kann man mit den Trainern dort sprechen und was sie einem raten hilft meistens sofort. Außerdem können wir uns dort dann jedes mal wieder davon überzeugen, dass es den anderen Hundebesitzern genauso geht wie uns. „Die sind jetzt alle in der Flegelphase“, sagte der Trainer, „richtige Halbstarke“. Jedes Mal, wenn der Junghundekurs vorbei ist, kommen wir neu motiviert und mit vielen Ratschlägen im Hinterkopf zurück. So läuft Loo jetzt mit einer Schleppleine durch die Gegend, sodass ich das Komm-Zeichen auch durchsetzen kann. An der Leine geht er mittlerweile auch schon wieder ganz gut. Das Schreien verbiete ich ihm, indem ich kurz ein Pfui zeige und ihm dann die Hand ums Maul lege und ihm solange in die Augen schaue, bis er wegsieht. Es ist zwar etwas anstrengender geworden, aber das hatten wir ja auch erwartet und es ist ja auch ganz normal, bei allen Hunden. Ja, das habe ich jetzt davon:
  • Einen ganz normalen Hund.
  • Melanie Ortlieb, Oktober ‘03